Daten. Leben.

Datenschutz als Argument für Googles Abkehr von 3rd-Party-Cookies – passgenau werben geht trotzdem …

In den letzten Tagen ging eine Nachricht viral und war sogar der Tagesschau einen Artikel wert, die in vielen Unternehmen für Unsicherheit sorgt. Es wird in Zukunft bei Google kein Cookie-Tracking mehr geben. Also keine Option mehr Verbraucher online gezielt anzusprechen? Mitnichten – es wird nur ein anderer Weg gewählt. In Zukunft wird ge"FLoC"t (Federated Learning of Cohorts). Hierbei werden große Gruppen von Menschen in Clustern zusammengefasst und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet. So können Einzelpersonen effektiv in der Menge "verschwinden", da der Browserverlauf dabei geschützt bleibt durch eine geräteinterne Verarbeitung; die Qualität des Clustering-Algorithmus wird sicher entscheidend sein. Googles Ad-Team ist überzeugt, dass Werbetreibende mindestens 95 Prozent der bisherigen Conversions erwarten können. Also weiterhin Möglichkeiten haben, den Erfolg ihrer Kampagnen gezielt auszuwerten. Das Userverhalten kann aber nicht mehr über Website-Grenzen hinweg verfolgt werden.

Wir finden diese Entwicklung aus datenschutzrechtlichen Gründen natürlich sehr gut. Das ist schließlich unser Herzensthema bei REISSWOLF: die Daten unserer Kunden immer bestmöglich zu schützen. Und zu lesen, dass ein Google Manager wie David Temkin in einem Blog schreibt: "Um das Internet offen und zugänglich für alle zu halten, müssen wir alle mehr für den Schutz der Privatsphäre tun – und das bedeutet nicht nur ein Ende der Cookies von Drittanbietern, sondern auch jeglicher Technologie, die dazu verwendet wird, einzelne Personen beim Surfen im Internet zu verfolgen …" – das lässt hoffen, dass viele andere große Onlineplayer folgen. Vorreiter hierbei ist allerdings gar nicht Google – sondern vielmehr diverse Browserhersteller, die bereits seit längerem ein Third-Party-Tracking technisch unterbinden und in Europa natürlich auch die DSGVO bzw. die noch ausstehende, aber sicher kommende E-Privacy-Verordnung. Fakt ist, dass lt. aktuellen Onlineumfragen 72% sich im Web verfolgt fühlen und 81% das Risiko der Datensammlung höher als den Nutzen bewerten. Dies kann man nicht einfach ignorieren.

Nicht verschweigen darf man zudem, dass das neue Postulat von mehr Datenschutz bei Google nicht unkritisch gesehen bzw. von der Electronic Frontier Foundation (EFF) sogar angezweifelt wird. Die EFF gilt als führende gemeinnützige Organisation zur Verteidigung der bürgerlichen Freiheiten in der digitalen Welt. Kritisiert wird zum Beispiel, dass durch eine geplante Schnittstelle zur Messung von Konversionen, der Browser jedes Mal einen Wert in eine Tabelle schreibt, wenn dem User eine Werbung gezeigt wird. Besucht der User dann die Ziel-URL der Werbung, wird dieser Wert an den Werbetreibenden übermittelt. So weit, so gut. Problematisch daran ist, dass Google aktuell eine viel zu große Datenmenge pro Werbung zulassen will. D.h. jede ausgespielte Anzeige könnte theoretisch eine einzigartige Erkennungs-ID erhalten und damit am Ende doch wieder das Userverhalten gezielt verfolgt werden.

Es ist also noch datenschutzrechtlich Luft nach oben – aber die Aussicht, nicht bei jedem Website-Besuch erst einmal die Cookie-Hinweise durchzulesen und anzupassen ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Bevor Sie fragen: Ja, wir wissen, dass die meisten Menschen im Netz einfach auf „Alle akzeptieren“ klicken und auch bei uns ist dies vorerst noch so – allerdings haben wir auch wirklich nur Google Analytics im pseudonymisierten Einsatz für statistische Auswertungen zur Seitennutzung. Denn Sie immer mit relevanten Inhalten zu versorgen, ist neben dem Datenschutz eine andere Herzenssache von uns. Jederzeit überprüfbar auf reisswolf.com.